Photovoltaik: So geht es nach 20 Jahren weiter
Viele Anlagen verlieren die Förderung – warum sich ein Weiterbetrieb oft lohnt
Für viele Betreiberinnen und Betreiber von Photovoltaik-Anlagen endet aktuell eine Ära, denn nach 20 Jahren läuft die garantierte Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) aus. Doch das bedeutet keineswegs das Ende der Solarstromnutzung. Die Energieberatung der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg und die Energieagentur Main-Tauber-Kreis informieren zu neuen Regelungen und wirtschaftlichen Optionen für sogenannte Ü20-Anlagen. Zudem wird am Dienstag, 19. Mai, ein Webinar zum Thema angeboten.
Weiterbetrieb bleibt möglich – mit neuer Vergütung
Auch nach dem Ende der EEG-Förderung können Photovoltaik-Anlagen weiterhin Strom ins Netz einspeisen. Netzbetreiber sind verpflichtet, diesen Strom abzunehmen und zu vergüten. Die Höhe der Vergütung orientiert sich am „Marktwert Solar“, dem durchschnittlichen Erlös für Solarstrom an der Strombörse, der für die Direktvermarktung genutzt wird. Dieser liegt aktuell bei etwa 3 bis 8 Cent pro Kilowattstunde. Die gesetzliche Anschlussregelung für Ü20-Anlagen wurde nun im Zuge des „Solarpaket I“ bis Ende 2032 verlängert. Damit erhalten Betreiberinnen und Betreiber langfristige Planungssicherheit. Wer nichts verändert, kann seine Anlage einfach weiterbetreiben und erhält automatisch diese Anschlussvergütung.
Eigenverbrauch wird zunehmend attraktiv
Neben der klassischen Volleinspeisung gewinnt der Eigenverbrauch der erzeugten Energie immer mehr an Bedeutung. Dabei wird der selbst erzeugte Strom direkt im Haushalt genutzt und senkt so die Stromkosten spürbar. Überschüssiger Strom kann weiterhin ins Netz eingespeist und vergütet werden. Während die Volleinspeisung häufig nur geringe Einnahmen generiert, kann die Kombination aus Eigenverbrauch und Einspeisung wirtschaftlich deutlich attraktiver sein. Voraussetzung ist, dass der Eigenverbrauch ausreichend hoch ist. Allerdings ist eine Umrüstung mit Kosten verbunden, etwa für Anpassungen an der Elektroinstallation oder neue Zählertechnik.
Dringend empfohlen: Technischer Check
Vor einer Investitionsentscheidung empfiehlt die Verbraucherzentrale einen umfassenden Anlagen-Check. Dieser dient nicht nur der Wirtschaftlichkeitsbewertung, sondern auch der sicherheitstechnischen Einschätzung der Anlage. Betreiber tragen die Verantwortung für einen dauerhaft sicheren Betrieb. Die Kosten für einen solchen Check liegen bei rund 250 bis 300 Euro.
Registrierung und Aktualisierung im Marktstammdatenregister erforderlich
Falls Betreiberinnen und Betreiber ihre Anlage noch nicht im Marktstammdatenregister eingetragen haben, sollte dies umgehend nachgeholt werden. Diese Pflicht gilt seit Januar 2019 für alle PV-Anlagen, selbst wenn sie keine EEG-Vergütung mehr erhalten. Eingetragen werden müssen technische Änderungen an der Anlage, ein Betreiberwechsel, der Wechsel der Einspeiseart, sprich der Wechsel von der Voll- zur Überschuss-Einspeisung, und die Stilllegung.
Repowering als langfristige Option
Ist die Anlage technisch überholt oder wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll zu betreiben, kann ein Austausch durch eine neue Photovoltaik-Anlage („Repowering“) sinnvoll sein. Moderne Anlagen liefern deutlich höhere Erträge auf gleicher Fläche und profitieren erneut von einer EEG-Förderung mit einer Laufzeit von 20 Jahren.
Fazit: Jetzt handeln – aber ohne Zeitdruck
Die gute Nachricht für Verbraucherinnen und Verbraucher: Es besteht kein unmittelbarer Handlungsdruck. Wer seine Anlage unverändert weiterbetreibt, erhält weiterhin eine Vergütung. Gleichzeitig lohnt es sich, die eigene Situation individuell zu prüfen und Optionen wie Eigenverbrauch oder Modernisierung abzuwägen. Die Energieberatung der Verbraucherzentrale empfiehlt vor der Entscheidung eine umfassende Analyse. Das Webinar „Ü20-PV-Altanlagen im Wandel: Repowering und Perspektiven nach dem EEG“ informiert am Dienstag, 19. Mai, um 10 Uhr Verbraucherinnen und Verbraucher hierzu. Eine Anmeldung ist unter dem Link https://join.next.edudip.com/de/webinar/u20-pv-altanlagen-im-wandel-repowering-und-perspektiven-nach-dem-eeg/2561430 möglich. Die Energieberatung der Verbraucherzentrale und die Energieagentur Main-Tauber-Kreis helfen bei allen Fragen rund um das Thema Photovoltaik. Mehr Informationen gibt es auf www.verbraucherzentrale-energieberatung.de oder unter der bundesweit kostenfreien Hotline 0800/809802400 sowie direkt bei der Energieagentur Main-Tauber-Kreis unter 09341/82-5813. Die Energieberatung der Verbraucherzentrale wird gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.